Wärmeleitfähigkeit, Temperatur und sommerlicher Komfort
Ein Haus kann trotz Dachdämmung im Sommer überhitzen. Daraus folgt nicht, dass Mineralwolle bei Wärme ihre Wirkung verliert. Dämmung verlangsamt den Wärmetransport; die Raumtemperatur hängt aber auch von Sonneneinstrahlung durch Fenster, Verschattung, Lüftung, inneren Wärmequellen und dem gesamten Dachaufbau ab. Die Wärmeleitfähigkeit λ kann sich mit Temperatur und Feuchtigkeit ändern. Produktdaten müssen deshalb unter den passenden Bedingungen verglichen werden. Bei PIR, Mineralwolle, EPS, XPS und Spritzschaum zählen deklarierte und für die Anwendung maßgebliche Werte, Dicke und Verwendungszweck. Dieser Beitrag erklärt die Unterschiede, ohne eine Dämmstofffamilie zur universellen Lösung zu erklären.
Was bedeutet die Wärmeleitfähigkeit λ?
Sie beschreibt, wie leicht ein Material Wärme leitet, und wird in W/(m·K) angegeben. Bei gleicher Dicke und gleichen Bedingungen bedeutet ein niedrigerer Wert einen höheren Widerstand gegen Wärmeleitung. Lambda ist nicht der U-Wert einer vollständigen Wand oder eines Dachs.
Für eine homogene Schicht gilt vereinfacht R = d/λ, wobei d die Dicke in Metern ist. Beim vollständigen Bauteil kommen weitere Schichten, Oberflächenwiderstände, Fugen und Wärmebrücken hinzu. Verwenden Sie die für die Berechnung geeigneten deklarierten beziehungsweise Bemessungswerte.
Deklarierter Wert und Bemessungswert
Ein deklarierter Wert gilt für festgelegte Referenzbedingungen. Ein Bemessungswert berücksichtigt die maßgebliche Anwendung und deren Bedingungen. Temperatur- und Feuchtekorrekturen müssen auf anerkannten Verfahren oder Produktunterlagen beruhen, nicht auf einem pauschalen Prozentsatz.
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Temperaturumrechnung: Welche Temperatur ist gemeint?
Die Temperatur einer besonnten Dachdeckung entspricht nicht automatisch der mittleren Temperatur in der gesamten Dämmung. Innen- und Außenbedingungen, Schichtdicke und Konstruktion bestimmen den Temperaturverlauf.
ISO 10456 beschreibt Verfahren zur Umrechnung thermischer Werte zwischen verschiedenen Bedingungen. Ihr Anwendungsbereich nennt Bemessungs-Umgebungstemperaturen von −30 bis +60°C. Die angegebenen Temperaturumrechnungskoeffizienten gelten jedoch für mittlere Temperaturen zwischen 0 und 30°C. Diese Bereiche dürfen nicht gleichgesetzt werden. Eine Kurve darf nicht ohne Prüfung des Gültigkeitsbereichs bis zur Temperatur der Dachoberfläche verlängert werden.
Für das konkrete Produkt sind der passende deklarierte Wert, eine nachvollziehbare Bemessungskorrektur und die Bauteilberechnung maßgeblich.
Mineralwolle und Zellulose dämmen auch im Sommer
Ihre Wärmeleitfähigkeit kann sich mit den Bedingungen verändern. Daraus lässt sich aber kein allgemeiner Verlust von 30% ableiten. Auch die Aussage, 15 cm Mineralwolle entsprächen im Sommer grundsätzlich nur noch 10 cm, ist nicht haltbar. Produkttyp, Rohdichte, Feuchtigkeit und Temperatur sind zu berücksichtigen.
Die Dezimalstelle ist entscheidend: 0,033 W/(m·K) ist nicht 0,33 W/(m·K); der zweite Wert ist zehnmal so groß. Übernehmen Sie den genauen Wert aus der Dokumentation des ausgewählten Produkts. Ein Beispiel für eine Mineralwolle gilt nicht automatisch für sämtliche Steinwolle, Glaswolle, Holzfaser- oder Zellulosedämmstoffe.
Ein fachgerecht ausgeführtes Mineralwolldach kann im Winter und im Sommer dämmen. Für sommerlichen Komfort müssen zusätzlich solare Wärmegewinne begrenzt und gespeicherte Raumwärme abgeführt werden.
EPS und XPS: konkretes Produkt und Verwendung vergleichen
EPS und XPS besitzen unterschiedliche Strukturen und Produktvarianten. Die Materialbezeichnung liefert weder eine universelle Wärmeleitfähigkeit noch einen festen prozentualen Leistungsverlust bei Sommertemperaturen.
Prüfen Sie deklariertes λ, Dicke, Druckeigenschaften, Feuchtebeanspruchung und zulässigen Einsatz der konkreten Platte. Bei Dächern sind Schichtenfolge und Wasserführung besonders wichtig. Eine niedrige Wärmeleitfähigkeit allein macht einen Dämmstoff nicht für jeden Dachaufbau geeignet.
PIR- und Phenolharzplatten: niedrige Wärmeleitfähigkeit ersetzt keine Planung
Feste PIR- und Phenolharzplatten können bei begrenzter Dicke einen hohen Wärmedurchlasswiderstand bieten. Die Eigenschaften hängen dennoch vom konkreten Produkt, seinen Deckschichten und den Bedingungen ab.
Die technische Karte von termPIR AL nennt beispielsweise λD = 0,022 W/(m·K) für den angegebenen Dickenbereich. Das ist ein Wert dieses Produkts, keine Erklärung für sämtliche PIR-Platten. Er darf nicht als 0,22 geschrieben werden.
Aufsparrenplatten können eine durchgehende Dämmschicht über den Sparren bilden. Fugen, Ränder und Befestigungen brauchen trotzdem sorgfältige Details. Die Platten ersetzen nicht automatisch tragende Schalung, Unterdeckung oder Abdichtung. Beachten Sie das vorgesehene Dachsystem und vergleichen Sie die gesamten Ausführungskosten, statt eine Bauweise pauschal als günstiger zu bezeichnen.
PUR-Spritzschaum kann offen- oder geschlossenzellig sein
Nicht jeder PUR-Spritzschaum ist offenzellig. Es gibt offen- und geschlossenzellige Systeme mit unterschiedlichen Wärme-, Wasserdampf- und Feuchteeigenschaften. Werkseitige PIR-Platten sind eine weitere Produktform.
Vergleichen Sie die dokumentierten Eigenschaften der konkreten Produkte und die benötigte Einbaudicke. Beim Spritzen müssen geeignete Untergrund- und Verarbeitungsbedingungen eingehalten werden. Bei Platten sind Zuschnitt, Fugen und Befestigung sorgfältig auszuführen.
Eine bestimmte Dichte, ein Treibmittel oder ein Lambda-Wert darf nicht einer ganzen Materialfamilie zugeordnet werden. Entscheidend sind die Produktunterlagen und der geplante Aufbau.
Was ist bei einem überhitzten Dachgeschoss zu prüfen?
- Sonneneinstrahlung durch Dachfenster und andere Verglasungen sowie die vorhandene Außenverschattung.
- Ob die Lüftung Wärme abführen kann, wenn es draußen kühler ist.
- Innere Wärmequellen durch Personen und Geräte.
- Dicke und Durchgängigkeit der Dämmung, Fehlstellen, Luftundichtigkeiten und Wärmebrücken.
- Die vollständige Wärme- und Feuchteplanung des Dachs.
Dämmung ist ein Teil der Lösung, aber keine aktive Kühlung. Allein der Austausch von Mineralwolle gegen PIR garantiert keinen kühlen Raum. Bei anhaltender Überhitzung sollte deshalb der gesamte Raum mit seinem Dach untersucht werden, statt nur einen einzelnen Lambda-Wert zu vergleichen.
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